Gerd On Tour

Gerd bloggt. Wieder. Hä? Warum? Und warum wieder?

 

Also muss wohl doch eine kurze Einleitung her.

Vor genau 10 Jahren gab es sowas zum ersten und letzten Mal,

und zwar den "London-Blog". Dort habe ich regelmässig von meinem Jahr an der Royal Academy of Music in London berichtet, vom Leben als Student an dieser doch sehr speziellen Instititution und in dieser doch sehr speziellen Metropole.

Neulich habe ich ihn nochmal durchgelesen und es war, als läse ich alles zum ersten Mal, geschrieben von einer mir fremden Person, soviel hatte ich von dieser Zeit vergessen, verdrängt oder eben einfach anders in Erinnerung.

 

Und ich hab mich ein wenig geärgert, dass ich sowas nicht öfter gemacht habe, gerade das letzte halbe Jahr mit meinen aufregenden Monaten in Indien und Bali sowie den Trips nach Südafrika, Madrid oder London wären prädestiniert für Reisetagebücher gewesen. Vielleicht wird das sogar noch nachgeholt, zumindest meine teils haarsträubenden Erlebnisse in  Indien verdienten eine würdige Nachbetrachtung.

Allerdings wissen Menschen, die mich gut kennen, dass ich besonders gut darin bin, Sachen anzufangen und nicht zu Ende zu bringen. Apropos, braucht jemand eine fast neue Gitarre?

 

Aber das Tolle an so einem Blog ist eben, das es kein Ziel gibt, im schlimmsten Fall  wird es ein fragmentarischer Blog, nicht minder interessant oder eben uninteressant.

Aber STOP! Was ist denn das Thema!? Also diesesmal?

 

Richtig.....von Juni 2018 bis Juli 2019 bin ich für ein Jahr auf Tour mit dem Musical "Mamma Mia", und wir bereisen verschiedenste  Städt in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Na, wenn das kein Anlass ist....auf gehts!

 

8.7.2018

 

Willkommen in Österreich!

Willkommen in Linz!

 

 

Nach einer sehr langen, aber auch sehr lustigen Busfahrt trafen wir gegen 21 Uhr endlich in unserem Hotel ein.

Das Hotel liegt etwas ausserhalb der Innenstadt.

Der erste Eindruck?

Erinnert ein bißchen an

 

.....Duisburg.

 

Und der Designer unseres Hotels ist offensichtlich ein großer Austin Powers Fan, aber hey, es gibt einen Pool!

Was super ist, denn vor uns liegen zwei entspannte Tage,

die Proben am Theater Linz beginnen offiziell erst am Dienstag.

Für mich eine gute Gelegenheit, mich noch ein bißchen auszukurieren, und vor allem, mir Linz ein wenig anzuschauen.

 

Das letzte Mal ist nämlich schon ein Weilchen her.

Vor einigen Jahren bin ich an einem "Tarzan"-freien Tag von Stuttgart nach Linz gefahren, um liebe Kollegen in "Les Misérables" am Landestheater zu besuchen. ( und zack, schon wieder "Les Miz").

Ich kam abends an, viel gesehen hatte ich von der Stadt nicht, umso gespannter bin ich also heute mittag losgezogen.

 

Und was soll ich sagen....

Linz hat sich heute von seiner besten Seite gezeigt, strahlender Sonnenschein.

 

 

Auf dem Weg in die Altstadt habe ich bereits einen kleinen Abstecher an unsere zukünftige Wirkungsstätte gemacht,das Musiktheater am Volksgarten.

Mamma Mia! ist schon ziemlich präsent.

 

 

Nach dem ersten gerufenen "Hallo Donau!" und meinem ersten "Verlängerten" in der hübschen Markthalle,bin ich erstmal über den Hauptplatz geschlendert.

Urlaubsflair pur.

 

Und dann?

Dann hab ich mir Kirchen angeschaut.

Das wurde heute irgendwie Thema, keine Ahnung warum.

 

Gut, es ist Sonntag, da sind die Alternativen vielleicht nicht so zahlreich.

Aber was ich feststellen musste, Kirchen machen hier Spass.

 

Das erste Gotteshaus, in das ich zufällig reingestolpert bin, war die Ursulinenkirche an der Landstrasse.

 

Und was findet man da?

Menschen auf Gymnastikbällen.

Viele, viele Gymnstikbälle.

Auf mein verwirrtes Nachfragen wurde mir erklärt, dass es sich um eine theologische Kunstinstallation zum Thema "Balance" handelt. Also habe ich mich auch auf einen Ball gesetzt, und 10 Minuten ein wenig vor mich hin- und her gewackelt.

Gut für die innere Balance. Und für den Rücken.

 

 

 

Die nächste von mir besuchte Kirche, die Karmelitenkirche direkt nebenan, ist zwar wunderschön, aber physiotherapeutisch doch eher ein Abstieg. Deswegen bekommt sie heute kein Foto von mir.

 

Auf meinem Weg zu DEM Linzer Gotteshaus, dem Dom, bin ich u.a. auch hier vorbeigekommen. Ein Bekleidungsgeschäft für den modischen Geistlichen, das mittlere Ensemble kostet komplett 598,- Euro.

Also falls es jemanden interessiert,

 

 

 

Der relativ junge Linzer Mariendom (fertiggestellt erst im Jahre 1935) ist ein prachtvolles Bauwerk und überraschenderweise war er heute menschenleer.

 

Besonders beeindruckend sind die schönen Gemäldefenster und, auf ganz persölicher Ebene, ein kleines Büchlein, das sich in dem Dom befindet.

 

Nach Art eines Gästebuches schreiben Menschen ihre Bitten, Grüsse oder Danksagungen hinein.

Viele Bitten sind sehr persönlich, etwa Genesungswünsche für schwerkranke Angehörige. 

 

Manche Eintragungen setzen aber auch andere Schwerpunkte, wie man auf dem folgenden Bild erkennen kann: 

 

"Hallo, mein Name ist Isabella. Ich war hier. Folge mir auf Insta: 13-ISA. P.S. Ich bete in der Kirche."

 

Samstag, 7. Juli 2018
Was bisher geschah!

 

Ich sitze im Reisebus von Duisburg nach Linz. Duisburg deshalb, weil die Proben für die "Mamma Mia!"- Tour dort stattgefunden haben, Linz in Österreich deswegen, weil dort am 13.7. der offizielle Tour- Auftakt stattfindet. Der Vollständigkeit halber, hier die letzten Wochen im ganz schnellen, trockenen Schnelldurchlaf: 

Am 30. Mai war Probenbeginn in Duisburg, begonnen wurde das ganze mit der offiziellen Begrüssung, wir sind ein sehr internationales Ensemble, England, Kanada, Niederlande, Österreich, Norwegen, alles dabei.

 

Nach der Vorstellung und einer Einweisung im Theater am Marientor ging es ziemlich flott los, anfangs mit musikalischen Proben in Anwesenheit unseres Musical Supervisors Seann, gefolgt von choreographischen Proben mit unserem Dance Captain Kevin und der Choerographin Nicola, die für die internationalen Mamma Mia! Produktionen verantwortlich ist.

Der ganze Probenprozess hatte ein ziemliches Tempo,  schnell stand die Show, zumindest als Gerüst.

Man muss aber auch anmerken, dass viele Kollegen die Show bereits  an anderen Orten gespielt haben, das geht dann natürlich fix.

Über Duisburg als Stadt kann ich gar nicht so viel schreiben ( auch nicht so schlimm, glaub ich) , meist ging es bei mir vom Hotel ins Theater und wieder zurück, meine wenige freie Zeit hab ich dann doch eher zu Hause in Bonn/ Köln verbracht. Das Theater am Marientor mag ich allerdings sehr, unter anderem auch aus nostalgischen Gründen.

Vor vielen Jahren habe ich als sehr junger Mensch dort zum ersten Mal "Les Misérables" gesehen, ich erinnere mich vor allem,  das ich das Theater wunderschön und Sanni Luis als Eponine fantastisch fand. Viele Jahre später stand ich dann mit Sanni selber in "Les Misérables" in Bad Hersfeld auf der Bühne, diesmal spielte sie Mme Thenardier, auch grossartig, aber für mich bleibt sie meine Eponine.

Fun Fact zum Musicaltheater in Duisburg: Die Mitarbeiterkantine backstage heisst nach all den Jahren ofiziell immer noch "FunTine".  Da freut sich doch das Musicalherz.

Um es kurz zu machen, die "Mamma Mia!" Proben liefen richtig gut und dann der persönliche Supergau....ich wurde krank, leider nicht nur ein bißchen. Schwere Bronchitis, dazu keine Stimme mehr, für fast zwei Wochen sollte ich das Bett hüten und habe alle Bühnenproben und Endproben dadurch verpasst. Dafür kann ich jetzt bei Gesprächen über fast alle Netflix-Serien mitreden!


Einen Tag vor der ersten öffentlichen Genralprobe ging es dann aber wieder so einigermassen, so dass ich zumindest in Duisburg die Proben anschauen konnte, dann gings Knall auf Fall, schnell wurde ein Put-In angesetzt, und ich konnte am Abend bei der ersten Preview mit meinen Kollegen auf der Bühne stehen. Den Tag werde ich so schnell nicht mehr vergessen.
 

Zwar hatte ich mittgas fast alle Choreographien auf der Bühne im Kostüm einmal gemacht, aber eben doch nicht alles und vor allem ohne Solisten, Band, Mikro und Publilum.

Welche Mütze hab ich bei "Money Money" an, wo stehen bei "Waterloo", welcher Stuhl muss wann wohin, muss das Jacket bei "Dancing Queen" angezogen werden oder nicht..... 

Am Ende des Tages war ich zwar im wahrsten Sinne des Wortes reif für die Insel, aber es war ein grosser Spaß, tolle Kollegen, ausverkauftes Haus, begeistertes Publikum, Mamma Mia funktioniert eben immer.

Und für mich----back on track oder eben "Back In Track". M7.

Heute früh dann um 8 Uhr Abfahrt gen Österreich, die Hälfte der 12 stündigen Fahrt liegt bereits hinter uns.

 

Das Tourleben hat offiziell begonnen!

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